Schulimkerei

Wir haben nun eine Schulimkerei.

 

HAZ-Artikel vom 28.5.2015

 

Das große Summen

Die Wilhelm-Busch-Schule hat jetzt eine Imkerei – und die Schüler mögen die Bienen
VON MARIO MOERS

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Anfassen erlaubt: Karen Lau zeigt den Nachwuchsimkern den Bienenschwarm.
Oberricklingen. Vor der großen Königin hat Leon keine Angst. „Die kann nicht stechen, sie braucht ihren Hintern zum Eierlegen“, erklärt der Grundschüler gelassen. In der Bienen-AG hat er gelernt, mit den emsigen Insekten umzugehen. Darum bleibt er ganz ruhig, als Imkerin Karen Lau den summenden Schwarm neben ihm hochhält. „Wer will, darf ihn jetzt mit der Hand anfassen“, fordert sie die Dritt- und Viertklässler auf, die ersten 7000 schwarz-gelben Bewohner der Bienenbeuten auf dem Schulhof der Wilhelm-Busch-Grundschule zu begrüßen. Quasi persönlich, mit Handschlag. „Man darf nicht hektisch sein“, sagt Leon besonnen und streichelt vorsichtig den Schwarm, der wie ein großer Klumpen vor ihm hängt. Bezirksbürgermeister Andreas Markurth, einer der Ehrengäste, belässt es lieber bei einer kleinen Ansprache. „Man weiß ja nicht, welche Allergien man so hat“, scherzt er – und würdigt die erste Schulimkerei im Stadtbezirk als „herausragendes Pilotprojekt“.
Die Imkerei ist eine Kooperation der Oberricklinger Grundschule mit dem Bildungswerk Kronsberghof. Die Einrichtung unterstützt das Angebot vor allem in der Startphase – personell, fachlich und finanziell. Rund 46000 Euro kostet das ambitionierte Bienen-Projekt im ersten Jahr; 16000 Euro übernimmt das Bildungswerk. Die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung fördert die Imkerei mit 29600 Euro. Die Stadt hat einen Überseecontainer zur Verfügung gestellt, der zugleich Geräteschuppen und Hauptquartier der Bienen-AG ist. Die Zuwendungen zeigen, welchen Stellenwert dem Projekt beigemessen wird. „Außer den Schul-AGs werden hier künftig auch Lehrkräfte und pädagogisches Fachpersonal im Umgang mit Bienen geschult“, erklärt Bildungswerk-Geschäftsführer Andreas Diek. Erste Reaktionen zeigen, dass für das Weiterbildungsangebot großes Interesse besteht. „Wir haben 39 Anmeldungen, bei gut 20 Plätzen“, sagt Karen Lau erfreut. Nach und nach soll ein stadtweites Netzwerk aufgebaut werden, das über ähnliche Projekte informiert und eine Plattform für den Austausch ist. „Es ist auch eine Wanderausstellung in Planung, mit der wir an andere Schulen gehen“, kündigt die Imkerin an.
„Wir haben gelernt, wie die Bienen sich wohlfühlen und wo sie gerne ihr Geschäft machen“, berichtet Wilhelm-Busch-Schüler Theo über seine ersten Erfahrungen in der neuen AG. Neulich haben die Grundschüler einen Brief an die Nachbarn formuliert. „Sie sollten keine weiße Wäsche hängen lassen, denn da machen die Bienen gerne drauf“, weiß AG-Teilnehmer Finn. Bei der Eröffnungsfeier dürfen die Nachwuchsimker zum ersten Mal die Schutzanzüge mit den typischen Hauben überziehen. Demnächst werden sie sich in dieser Montur einmal in der Woche um die Bienen kümmern. Bevor allerdings Honig geschleudert und probiert werden kann, muss die Schulimkerei ausgebaut werden.
„Als Nächstes werden wir mit den Kindern eine Streuobstwiese und eine Bienenweide anlegen“, erklärt Lehrerin Claudia Fegebank das weitere Programm. Mittelfristig sollen alle Grundschüler der dritten und vierten Klassen im Unterricht mit den Bienen in Kontakt kommen. „Die Schüler werden mit der großen Bedeutung vertraut gemacht, die Bienen für die Landwirtschaft und Biodiversität haben“, sagt Fegebank, die selbst bereits privat geimkert hat. Und nicht zuletzt werden sich auch die Nachbarn in Oberricklingen spätestens dann über die fliegenden Nutztiere freuen, wenn ihre Obstbäume Rekordernten tragen. Denn die Präsenz eines Bienenvolkes kann die Erträge von einigen Obstsorten verdoppeln.

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Scharfer Blick: Angelina untersucht eine Biene unter dem Mikroskop.Fotos: Moers (2)